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Nephrologie

Auf dieser Seite geben wir Ihnen einen Überblick über:





Die Berechnung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) zum Screening auf Niereninsuffizienz


Die CKD-EPI-Formel

Zur Ermittlung der Glomerulären Filtrationsrate eGFR (estimated=geschätzt) wurde bisher die MDRD-Formel eingesetzt.

Diese war zwar zur Anwendung im  klinischen Alltag grundsätzlich empfohlen worden, hatte jedoch durch das  Patientenklientel der entsprechenden MDRD-Studie  entscheidende  Nachteile in der Anwendbarkeit: Die Formel wurde anhand von 1628  Patienten mit ausschließlich moderater bis schwerer chronischer  Nierenfunktionseinschränkung entwickelt.

Mittlerweile steht mit der CKD-EPI-Formel (veröffentlicht von Levey et al Mai 2009) eine neue Methode zur Berechnung der eGFR zur Verfügung. 

Die eGFR mit der neuen CKD-EPI-Formel

In der CKD-EPI-Formel finden exakt die  gleichen Parameter Anwendung, die bisher für die MDRD-Formel benötigt  wurden (Kreatinin i. S., Alter, Geschlecht und Hautfarbe).

Somit entstehen keine zusätzlichen Kosten, da eine Bestimmung  zusätzlicher Parameter entfällt. Die neue Formel lässt sich, durch ein  der Normalbevölkerung deutlich ähnlicheres Studienkollektiv, erheblich  breiter anwenden.

Die neue Formel liefert nachweislich in allen GFR-Bereichen mindestens  vergleichbare, insbesondere in den Bereichen mit einer GFR>60 ml/  min/ 1,73 m² aber oftmals deutlich näher an der Wirklichkeit liegende  GFR-Werte.

In immerhin 11,8% aller nach der MDRD-Formel als niereninsuffizient eingestuften Fälle ist mit der neuen CKD-EPI-Formel eine GFR zu ermitteln, die eine Reklassifizierung in ein Stadium >90 ml/min/1,73m² erlaubt, in dem nach allgemein anerkannter Einteilung keine Niereninsuffizienz vorliegt. 

Einschränkend ist zu beachten:

Eine valide Beurteilung bei Kindern, Schwangeren, Menschen mit  ausgeprägt pathologischem Gewicht sowie stark unphysiologischer  Kreatinaufnahme (z.B. Vegetarier oder Kraftsportler mit kreatinreicher  Diät) ist leider weiterhin nicht möglich. 

Cystatin C

Nach wie vor ist Cystatin C der beste  Parameter, um die Glomeruläre Filtrationsrate mit einem Cystatin  basierten Rechenmodell abzuschätzen.

Die Syntheserate ist stabil, die Konzentration allein von der  glomerulären Filtrationsrate abhängig und unabhängig von  Lebererkrankungen, Entzündungsprozessen, Muskelmasse, Ernährung,  Geschlecht und Alter.

Mit Cystatin C kann bei Kindern bereits ab dem 1. Lebensjahr die GFR abgeschätzt werden.
 
Wenige Einschränkungen sind zu beachten:


  • Bei hoch dosierter Glukokortikoidgabe sowie bei manifester Hyperthyreose  findet man erhöhte Cystatin C-Werte, bei unbehandelter hypothyreoter Stoffwechsellage erniedrigte Werte.

Aktuelle Stadieneinteilung der chronischen Niereninsuffizienz nach KDOQI-Leitlinien (Kidney Disease Outcomes Quality Initiative):

  • Stadium / GFR in ml/min/1,73 m²
  • 1: Nierenschaden bei normaler oder gesteigerter GFR / >90
  • 2: Nierenschaden mit leicht reduzierter GFR / 60 - 89
  • 3: Nierenschaden mit moderat reduzierter GFR / 30 - 59
  • 4: Stark reduzierte GFR / 15 - 29
  • 5: Nierenversagen oder Dialyse / <15

Bei  GFR-Werten < 60 ml/min/1,73m² und gleichzeitiger Eiweißausscheidung über drei Monate ist eine weitere Überwachung durch den Nephrologen  erforderlich.

Labordiagnostik

1. GFR mittels CKD-EPI-Formel

Anforderung: KREA, GFR  (schwarze Hautfarbe bitte angeben wegen Korrektur der Formel mit einem Faktor)
 
Messparameter: Kreatinin im Serum

Material: Serum (weiße Sarstedt-Monovette)

Präanalytik: Die Blutprobe muss am Entnahmetag im Labor eintreffen.  


2. GFR nach Cystatin C-Bestimmung

Anforderung: CYST, GFR

Messparameter: Cystatin C im Serum

Material: Serum (weiße Sarstedt-Monovette)  

Präanalytik: Die Blutprobe muss am Entnahmetag im Labor eintreffen.


Stand: Juli 2013

Literaturhinweise

Levey AS, Stevens LA, Schmid  CH, Zhang YL, Castro AF, III, Feldman HI, Kusek JW,Eggers P, Van Lente  F, Greene T, Coresh J. A new equation to estimate glomerular filtration  rate. Ann Intern Med. 2009;150:604-612

Alessandra Calábria Baxmann u. a.:  Influence of Muscle Mass and Physical Activity on Serum and Urinary  Creatinine and Serum Cystatin C. In: Clin J Am Soc Nephrol. Nr. 3, 2008,  S. 348-354.

Mussap M, Plebani M: Biochemistry  and clinical role of human cystatin C. In: Crit Rev Clin Lab Sci. Nr.  41(5-6), 2004, S. 467-550

Laterza O. F. u. a.: Cystatin C: An  Improved Estimator of Glomerular Filtration Rate?. In: Clinical  Chemistry. Nr. 48, 2002, S. 699-707 

Kristian Meinck
Ärztlicher Leiter IMD Labor Greifswald
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