Befundauskunft: 03834 8193-0

Präanalytik

Die präanalytische Phase umfasst ca. 50 Prozent des diagnostischen Gesamtprozesses und ist ausschlaggebend für eine genaue Analyse der Proben. Das heißt: Nur eine gute Präanalytik garantiert beste Labor-Ergebnisse.

Es ist wichtig, das richtige Probenmaterial abzunehmen, die Vorschriften für die Probengewinnung zu beachten und das Probenmaterial fachgerecht zu lagern respektive zu transportieren.

Fehler bei der Erstellung von labormedizinischen Befunden betreffen ca. 30 Prozent den präanalytischen Bereich. Die Richtigkeit des Laborbefundes wird von Bedingungen, unter denen das Untersuchungsmaterial gewonnen, zwischengelagert und transportiert wurde, maßgeblig beeinflusst

In unserer Präanalytik-Fibel haben wir für Sie alle relevanten Informationen zusammengestellt.

Hier gibt es die Präanalytik-Fibel als pdf-Dokument zu lesen. 




Für eine telefonische Rücksprache stehen wir Ihnen unter 03834 8193-0 gerne zur Verfügung.





Allgemeine Hinweise für mikrobiologische Untersuchungen
Zu   einer zuverlässigen mikrobiologischen Diagnostik gehört die   fachgerechte Durchführung von Probenentnahme, Lagerung und Transport.  Dadurch wird die Kultivierbarkeit krankheitsauslösender Erreger   gesichert und zugleich ein verdrängendes Wachstum von Begleitflora  verhindert.

Aus diesem Grunde sind die folgenden Punkte zu beachten:
 

Materialgewinnung

 
  • möglichst vor Beginn einer antibiotischen Therapie
  • Proben gezielt vom Ort der Infektion entnehmen
  • sterile Gefäße verwenden, möglichst mit Transportmedien
  • Vermeidung von Kontaminationen mit der körpereigenen Flora
  • Probenvolumen in ausreichender Menge gewinnen
 

Entnahme-/ Transportsystem

Eine Übersicht über alle aktuell verfügbaren Entnahmesysteme können Sie bei uns anfordern.

 

Probenbegleitschein

 
  • Bezeichnung des Untersuchungsmaterials
  • Anatomischer Herkunftsort
  • Entnahmezeitpunkt
  • Verdachtsdiagnose, Krankheitsbild und –dauer
  • Angaben zur antimikrobiellen Therapie
  • Grunderkrankungen (z. B. Mukoviszidose, Diabetes mellitus)
  • Umgebungs-, Reiseanamnese
 

Untersuchungsauftrag

 
  • allgemeiner Untersuchungsauftrag "Erreger und Resistenz" ("E+R“ oder "pathogene Bakterien")
  • Der Untersuchungsgang wird an dem für den Entnahmeort typischen Erregerspektrum ausgerichtet und beinhaltet: 
    • die mikroskopische Untersuchung des Materials (sofern geeignet)
    • den kulturellen Nachweis schnellwachsender Bakterien (aerobe und ggf. anaerobe Kulturanlage)
    • Prüfung auf antibakterielle Hemmstoffe (bei Urinen und Punktaten)
    • die Identifizierung relevanter Keime und
    • die Sensibilitätstestung relevanter Keime
  • ausdrücklich anzufordernde spezielle Untersuchungen: 
    • Erreger,  für deren Kultivierung Spezialnährböden benötigt  werden (z. B.  Gonokokken, Legionellen, Choleravibrionen, Mykobakterien,  Pilze, alle  viralen Erreger)
    • Erreger, die routinemäßig nicht kultiviert  werden können;  der Nachweis erfolgt dann mit anderen Methoden, z. B.  ELISA,  Spezialfärbungen (z. B. Malaria, Legionellen, Mykobakterien,   Pneumocystis jiroveci, Noro-Viren)
    • Molekularbiologische Erregernachweise (z. B. PCR Chlamydien)
Eine  Nachforderung zusätzlicher Untersuchungen ist in der  Regel nur  innerhalb von 24 Std. nach Probenentnahme möglich, da  ansonsten die  Stabilität und/oder Konstanz der mikrobiologischen  Zusammensetzung der Probe nicht mehr gewährleistet ist.

Blutkulturen
Die Anlage von Blutkulturen umfasst die Entnahme von Venenblut und die  Verimpfung in entsprechende Kulturmedien für die mikrobiologische  Diagnostik.
 

Indikationen

 
  • Fieber unklarer Genese
  • Klinische Zeichen einer Sepsis oder eines septischen Schocks
  • Verdacht auf systemische Beteiligung bei einer lokalisierten Infektion (z. B. Pneumonie, Osteomyelitis, Meningitis)
  • Verdacht auf eine zyklische Infektionskrankheit (z. B. Typhus, Brucellose)
  • Verdacht auf Bakteriämie oder Fungämie (z. B. bei einer subakuten Endokarditis)
  • Katheterassoziierte Infektion
Die Indikation sollte besonders breit gefasst werden bei  Neugeborenen, Greisen, immunsuppressiv behandelten Patienten, Patienten  mit Neutropenie, Intensivpatienten sowie Patienten mit intravaskulären  Implantaten (z. B. Herzklappen-Prothese).
Bitte beachten: 
  • bei Verdacht auf spezielle bakterielle Erreger (z. B.  Brucellose, Leptospirose, Tularämie) Bestimmung der spezifischen  Antikörper (Serum)
  • bei Verdacht auf Malaria oder andere Blutparasiten (Filarien usw.) EDTA-Blut einsenden
  • lange Bebrütungszeit (3 Wo.) bei Endokarditis, Brucellose: Bitte auf Anforderungsschein vermerken!
 

 Entnahmesysteme / Blutkulturmedien


 
Untersuchung
Bemerkung/ Anwendung
Flaschenbezeichnung
farbliche Kennzeichnung
Beimpfungsmenge
aerobe Bakterien
aerobe und anaerobe Flasche immer als Paar entnehmen
BACTEC Plus+ Aerobic/F
 blau
8 - 10 ml
anaerobe Bakterien
BACTEC Plus+ Anaerobic/F
gelb  
8 - 10 ml
Pilze
bei Verdacht auf Fungämie
BACTEC MYCOSIS IC/F
grün
8 - 10 ml
Mykobakterien
bei Verdacht auf mykobakterielle Bakteriämie
BACTEC MYCO/F LYTIC
rot
1 - 5 ml
Kinder
Alter < 6 Jahre, Körpergewicht < 20 kg
BACTEC PEDS PLUS/F
rosa
1 - 3 ml
  

 Untersuchungsauftrag

 
  • allgemeiner Untersuchungsauftrag: "Erreger und Resistenz"  (Erläuterung siehe "Allgemeine Hinweise für  mikrobiologischeUntersuchungen")
  • speziellerUntersuchungsauftrag: Pilze, Mykobakterien (spezielle Blutkulturmedien verwenden, siehe oben).
 

 Entnahmezeitpunkt

 
  • unmittelbar bei Auftreten klinischer Symptomatik
  • nicht auf Fieberanstieg warten
  • möglichst vor Behandlungsbeginn bzw. am Ende eines Antibiotika-Dosierungsintervalls
  • in rascher Folge möglichst zwei Blutkulturpaare (1 Paar = 1aerobe + 1 anaerobe Flasche) aus verschiedenen Entnahmeorten
  • Bei Verdacht auf Endokarditis Entnahme von mehreren Blutkulturen über einen Zeitraum von mehreren Std.
 

Entnahmeort

 
  • Blutentnahme aus peripheren Venen (meist Vena cubitalis  in der Ellenbeuge) oder Arterien (arterielle Blutentnahmen zeigen jedoch  keine Vorteile)
  • möglichst folgende Punktionsorte vermeiden (erhöhte Kontaminationsgefahr): 
    • Venafemoralis in der Leistenbeuge
    • Venen im Bereich entzündeter Hautareale
    • intravaskulärer Katheter (ZVK, peripher venöse Katheter)
    • Portsystem (nur zum Nachweis katheterassoziierter Infektionen sinnvoll)
 

Durchführung

 
  • hygienische Händedesinfektion mit VAH (Verbund für  angewandte Hygiene e.V.) gelistetem Hautdesinfektionsmittel, z. B. mit  70 %-igem Alkohol
  • Einmalhandschuhe tragen
  • Vorbereitung der Blutkulturflaschen: 
    • Flaschen für anaerobe und aerobe Erreger auf Raumtemperatur vorwärmen
    • Kunststoff-Schutzkappeder Flasche abnehmen
    • Durchstich-Stopfen mit VAH gelistetem Hautdesinfektionsmittel desinfizieren
    • Desinfektionsmittel trocknen lassen
  • Hautdesinfektion: 
    • Punktionsstelle (ca. 5 x 5 cm) mit VAH gelistetem Hautdesinfektionsmittel, z. B. mit 70 %-igemAlkohol mechanisch reinigen
    • danach eigentliche Desinfektion erneut mit einem VAH gelisteten Hautdesinfektionsmittel mittels Dosierspray oder sterilem Tupfer
    • Hautvollständig trocknen lassen (ca. 60 sec.), Punktionsgebiet nicht mehr berühren
  • Blutentnahme und Flaschenbeimpfung: 
    • Entnahme von Blut durch Venenpunktion (benötigte  Beimpfungsmenge je nach Blutkulturmedium siehe Tabelle) und in die  Blutkulturflasche geben (bei Blutabnahme mitSpritzen: anaerobe Flasche  zuerst beimpfen, um Eintritt von Luftblasen in diese Flasche zu  verhindern; für das Beimpfen der Blutkulturflaschen eine neue  Kanülebenutzen; bei Blutabnahme mit geschlossenen Systemen (z. B. für  Vacutainer von BD): aerobe Flasche zuerst beimpfen, da im Schlauchsystem  noch etwas Luft sein kann)
    • Blutkulturflaschen nicht belüften!
    • Beschriftung der Flasche und Ausfüllen des Begleitscheines: Entnahmedatum, -ort und -Uhrzeit nicht vergessen
    • Barcode auf der Blutkulturflasche nicht überkleben oder beschriften!
 

Zwischenlagerung

 
  • bei Raumtemperatur (20 - 25 °C)
 

Besonderheiten

 
  • Transport ins Labor möglichst schnell
  • Dem Kurierdienst die Flaschen bitte gesondert übergeben (nicht gekühlterTransport)!

Urin für mikrobiologische Untersuchungen
Die Gewinnung von Mittelstrahlurin (MSU) gilt als Methode der Wahl für  mikrobiologische Untersuchungen, jedoch ist unbedingt auf eine  sachgemäße Entnahmetechnik zu achten. Kontaminationen durch Urethral-  und/oder Umgebungsflora sind zuvermeiden!

Durch eine suprapubische Gewinnung (Aspiration) von Blasenurin  ist eine Kontamination der Probe nahezu ausgeschlossen. Eine  Katheterisierung zur Uringewinnung sollte nicht routinemäßig erfolgen,  da sie unangenehm für die Patienten ist. Zudem birgt sie die Gefahr der  Keimeinschleppung in die Blase und der Traumatisierung der Urethra.
 

Entnahme-/Transportsysteme

 
  • Urin-Monovette - Lagerung und Transport gekühlt (2 bis 8 Grad Celsius) 

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