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Retikulozyten-Hämoglobin

Indikator für die Eisenversorgung der Erythropoese

Mit der Umstellung unserer Hämatologie-Analyse-Automaten wird es uns möglich sein, neben Parametern wie absolutem und relativem Retikulozytenwert zusätzlich den Hämoglobingehalt der Retikulozyten  (Ret-He Hemoglobin Equivalent) anzugeben.

Klinische Bedeutung

Der Hämoglobingehalt der Retikulozyten ist ein Indikator für die  Eisenversorgung der Erythropoese. Somit erlaubt die Bestimmung des  Hämoglobingehalts im Retikulozyten eine sehr frühzeitige Aussage  bezüglich der Eisenversorgung der Erythropoese.

Indikationen

1. Diagnostik eines Funktionseisen-Mangels

Ein funktioneller Eisenmangel besteht, wenn die Eisenversorgung der  Organe inadäquat niedrig zum Bedarf ist. Normalerweise ist ein  Funktionseisenmangel die Folge von leeren Eisenspeichern oder einer  Verminderung des Gesamtkörpereisens.

Es gibt aber auch Zustände, bei denen ein Funktionseisen-Mangel bei  gefüllten Eisenspeichern oder gar eine Vermehrung des Gesamtkörpereisens  besteht. Ein Beispiel hierfür ist eine Eisenverwertungsstörung bei  Tumor- oder Entzündungsanämie (Anemie of Chronic Disorder: ACD).

Ein Wert < 1,996 fmol zeigt einen funktionellen Eisenmangel an. Das  bedeutet, dass der Eisenbedarf der Erythropoese höher als das  Eisenangebot ist.

Bei vermindertem Angebot bzw. erhöhtem Bedarf nimmt das  Retikulozyten-Hämoglobin innerhalb von 48 – 72 h ab. Damit reagiert es  wesentlich schneller als die Erythrozytenindices und die Zahl  hypochromer Erythrozyten, welche erst nach Wochen mit einer Veränderung  reagiert.

2. Beurteilung des Behandlungserfolges bei einer Eisenmangelanämie

Bei einer erfolgreichen Eisensubstitution steigt bereits innerhalb der  ersten 48 Stunden nach Therapiebeginn der Hämoglobingehalt im  Retikulozyten an. Andere Marker des Eisenstoffwechsels wie z.B.  Hämoglobin zeigen erst nach 10 - 20 Tagen Veränderungen, MCV und MCH  sowie die Anzahl hypochromer Erythrozyten sogar erst nach Wochen.

Bleibt unter Substitution der Anstieg des Retikulozyten-Hämoglobins aus,  so weist dies auf eine andere Ursache der Anämie oder auf eine  Eisenresorptionsstörung hin.

3. Monitoring eines funktionellen Eisenmangels unter Erythropoitin-Therapie (EPO)

Voraussetzung für einen optimalen Erfolg einer EPO-Therapie ist eine  ausreichende Eisenversorgung der Erythropoese. Bei Hämodialysepatienten  unter EPO-Therapie ist das Retikulozyten-Hämoglobin ein besserer  Indikator der Eisenverfügbarkeit als die biochemischen Marker des  Eisenstoffwechsels (Ferritin, Transferrin-Sättigung, Transferrin).

Ein Ret-Hb < 1,996 fmol zeigt eine ungenügende Eisenversorgung der Erythropoese an.

Diagnostik

Untersuchungsmaterial: EDTA-Blut
Bestimmungsmethode: Fluoreszenz- Durchflusszytometrie
Referenzbereich: 1,996 – 2,407 fmo


Die Bestimmung des Retikulozytenhämoglobin erfolgt für Sie kostenfrei, wenn die Bestimmung der Retikulozyten angefordert wird.

Literaturhinweise

Labor und Diagnose, L.Thomas, 7. Auflage, S. 707. 


Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. 


Ihr Team des IMD Labor Greifswald

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Stand: August 2013


Kristian Meinck
Ärztlicher Leiter IMD Labor Greifswald

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