Befundauskunft: 03834 8193-0

CDT = Carbohydrate-deficient Transferrin

Klinische BedeutungCDT gilt derzeit – im Vergleich zu anderen Markern wie z. B. Gamma-GT, ASAT oder MCV - als der spezifischste biochemische Marker (diagnostische Spezifität von etwa 97 - 99 %) für die Erkennung eines chronischen Alkoholmissbrauchs und für die Überwachung der Alkoholabstinenz während einer Behandlung (Entziehungskur).

Chronischer Alkoholmissbrauch

Epidemiologischen Studien zur Folge bewirkt ein erhöhter Alkoholgenuss von täglich 50 bis 80 g Alkohol über einen Zeitraum von mindestens sieben Tagen einen Anstieg des Kohlenhydratdefizienten Transferrins.

Bei unverändertem Alkoholkonsum schwankt der CDT-Wert nur gering. Die intraindividuelle tägliche CDC-Schwankung beträgt acht Prozent. Die diagnostische Sensitivität von CDT zur Erkennung des chronischen Alkoholmissbrauchs beträgt 50 bis 70 Prozent für Männer und 30 bis 50 Prozent für Frauen.

Alkoholabstinenz

Auch nach Alkoholabstinenz bleiben die Werte noch ca. zwei bis vier Wochen erhöht und bauen sich mit einer mittleren Halbwertzeit von ca. 14 bis 17 Tagen erst langsam ab.

Während eines Alkoholentzugs ist die relative Veränderung des CDT-Wertes in Bezug zum Ausgangswert in der Longitudinalbeurteilung aussagekräftig.

Pathophysiologie

Transferrin ist ein eisenbindendes Glykoprotein. Es trägt an mehreren Stellen Kohlenhydratseitenketten, die über eine unterschiedliche Anzahl von endständigen Sialinsäureresten verfügen. Diese Sialinsäurereste erlauben die Trennung des Transferrins in verschiedene Isoformen. Im Blut des Menschen findet man normalerweise Transferrin-Isoformen mit zwei (Disialotransferrin) bis sechs (Hexasialotransferrin) Sialinsäureresten. Das Tetrasialotransferrin (= intaktes Transferrin, vier Sialinsäurereste) bildet unter normalen Umständen  den Hauptanteil (~ 80 Prozent), wohingegen die Disialotransferrin-Isoform nur mit einem Anteil von etwa einem Prozent vorkommt.

Längerfristiger kontinuierlicher Konsum von Alkohol stört die Glykosilierung von Transferrin, wodurch Transferrin-Isoformen, denen eine (Disialotransferrin) oder beide (Asialotransferrin) Kohlenhydratseiten- ketten fehlen, ansteigen. Diese (mit dem chronischen Alkoholismus in Beziehung stehenden) Transferrin- Isoformen werden kollektiv Carbohydrate- deficient Transferrin (CDC) genannt.

Darüber hinaus gibt es noch genetisch bedingte Transferrin-Varianten (Transferrin B und D).

Indikationen
  • DD alkoholinduzierter gegenüber nicht alkoholinduzierter Erkrankungen (Pankreatitis, Leberzirrhose, Karzinome, Gastritis)
  • Überwachung der Alkoholabstinenz während einer Behandlung (Entziehungskur)
  • Nachweis eines chronischen Alkoholmissbrauchs in Arbeits-, Rechts- und Verkehrsmedizin
  • DD bei erhöhten Gamma-GT-Werten
  • DD bei Patienten mit Polyneuropathien
  • DD bei Patienten mit unklaren Leberstoffwechselschäden
  • forensisch-toxikologische Begutachtung von Unfällen und Todesfällen in Zusammenhang mit Alkohol

Einflussfaktoren

Folgende Einflussfaktoren können zu erhöhten CDT-Werten führen und müssen differenzialdiagnostisch abgeklärt werden:

  • chronisch aktive Hepatitis
  • Leberzellkarzinom
  • primär biliäre Zirrhose
  • Schwangerschaft
  • CDG (Carbohydrate-Deficient-Glyco- protein-Syndrom, genetisch bedingt)

Labordiagnostik
 
  • Anforderung: CDT
  • Material: 1 Serum-Monovette (weiße Sarstedt-Monovette)
  • Patientenvorbereitung: keine spezielle Patientenvorbereitung notwendig, Blutentnahme erfolgt tageszeiten-unabhängig, eine Pharmaka-Einnahme beeinflusst CDT nicht.
  • Zwischenlagerung: Proben bis zur Übergabe an unseren Kurierfahrer bitte im Kühlschrank zwischenlagern, gekühlter Probentransport

Bestimmungsmethode

Unsere CDT-Bestimmung erfolgt mit der als Referenzmethode geltenden Hochleistungs-Flüssigkeitschromatographie (High Performance Liquid Chromatography = HPLC).

Ein entscheidender Vorteil dieser Methode ist, dass sie auch die mit einem Anteil von etwa 5 Prozent selten auftretenden genetischen Varianten (Transferrin B und D) identifiziert und daraus resultierende falsch positive und falsch negative Ergebnisse ausschließt.

Mit dem HPLC-Verfahren wird der relative Anteil einzelner Transferrin-Isoformen (z. B. Disialotransferrin) im Vergleich zum Gesamttransferrin ermittelt und als %CDT angegeben.

Literaturnachweis :
Thomas L.: Labor und Diagnose 2008, 7. Auflage, S.: 950-953

Stand: November 2008

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Ihr Team des IMD Labor Greifswald

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Kristian Meinck
Ärztlicher Leiter IMD Labor Greifswald

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