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Anämie - Diagnostikstrategie

Definition

Anämie ist ein krankhafter Zustand des erythropoetischen Systems mit Verminderung der Erythrozytenzahl, des Hämoglobins und/oder des Hämatokrits.

Die Möglichkeiten der Einteilung von Anämien sind so vielfältig, wie die zu findenden Veränderungen im Erythropoesesystem bzw. deren Ursachen. Deshalb haben wir das nachfolgende pragmatische Vorgehen für den Einstieg in die Anämiediagnostik gewählt.

Basisdiagnostik zur Diagnosestellung Anämie

Leuko, Ery, Hb, Hk, MCH, MCHC, MCV, RDW, Thrombo
(Kleines Blutbild mit Thrombo).

RDW = red cell distribution width (Erythrozytenverteilungsbreite)
Die RDW beschreibt, wie stark die Größe der Erythrozyten variiert, ob diese relativ gleich (isozytär, normales RDW), oder sehr unterschiedlich groß sind (anisozytär, hohe RDW) und stellt damit ein Maß für die Ungleichverteilung (Anisozytose) der Erythrozyten in Form und Größe dar. Die RDW wird von hämatologischen Analysengeräten bei jedem Blutbild erstellt.

Technisch handelt es sich bei der RDW um die grafische Darstellung der Verteilung des MCV einer Probe. Dabei werden die Erythrozytenvolumina in fl auf der Abszisse gegen die relative Häufigkeit auf der Ordinate aufgetragen.

Klassifizierung einer Anämie anhand von MCV und RDW und weiterführende Diagnostik

MCV erniedrigt
RDW normal
    
  • Diagnose: Mikrozytäre, isozytäre Anämie
  • vorkommend bei: Thalasämie-Syndrome
  • weitere Diagnostik: Hb-Elektrophorese, Quantifizierung der Hb-Varianten AO, A1, A2, F

MCV erniedrigt
RDW erhöht
    
  • Diagnose: Mikrozytäre, anisozytäre Anämie
  • vorkommend bei: Eisen-, Kupfer- und Vitamin B6-Mangel, Hämoglobinopathien
  • weitere Diagnostik: Eisenspiegel, Ferritin, Transferrin, Transferrinsättigung, löslicher Transferrin- rezeptor, Vitamin B6-Spiegel, Cu-Spiegel, Hb-Elektrophorese, Quantifizierung der Hb-Varianten AO, A1, A2, F

MCV normal
RDW normal  
 
  • Diagnose: Normozytäre, isozytäre Anämie
  • vorkommend bei: bei chronischen Erkrankungen (Niereninsuffizienz, chronisch entzündlichen Erkrankungen, endokrinen Störungen, Maldigestion, Malabsorbtion, malignen Tumoren), akutem Blutverlust
  • weitere Diagnostik: klinische und labormedizinische Diagnosestrategien zur Klärung der o. g. Krankheitsentitäten

MCV normal
RDW erhöht 
   
  • Diagnose: Normozytäre, anisozytäre Anämie
  • vorkommend bei: beginnendem Eisenmangel, Immunhämolysen, korpuskulären hämolytischen Anämien, Osteomyelofibrose
  • weitere Diagnostik: Ferritin, Transferrin, Transferrinsättigung, löslicher Transferrinrezeptor, LDH, Haptoglobin, dir. Coombstest, Differenzierung von erythrozytären Autoantikörpern, Glukose-6-Phosphatdehydrogenase, Pyruvatkinase, Knochenmarkzytologie und -histologie

MCV erhöht 
RDW normal    
  • Diagnose: Makrozytäre, isozytäre Anämie (aplastische Anämie)
  • vorkommend bei: Panmyelopathie, hämatologischen Systemerkrankungen mit Verdrängung der Erythrozytopoese, Metastasen im blutbildenden Knochenmark, medikamentöser, toxischer oder infektiologischer Markschädigung, Einwirkung ionisierender Strahlung
  • weitere Diagnostik: klinische, bildgebende und labormedizinische Diagnosestrategien zur Klärung der o. g. Krankheitsentitäten

MCV erhöht
RDW erhöht
    
  • Diagnose: Makrozytäre, anisozytäre Anämie
  • vorkommend bei: Vitamin B12-und/oder Folsäuremangel (Perniciosa!)
  • weitere Diagnostik: Vitamin B12-Spiegelbestimmung, Bestimmung der Folsäure im Serum und ggf. auch intraerythrozytär

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Kristian Meinck
Ärzlicher Leiter des IMD Greifswald

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