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Untersuchungsmaterial Liquor für labormedizinische Untersuchungen

Die Lumbalpunktion ist der wichtigste labordiagnostische Zugang zu den Erkrankungen des Zentralnervensystems. Die Indikation zur Punktion erwächst aus den häufig uncharakteristischen Frühsymptomen einer organischen Erkrankung des Gehirns, deren Abgrenzung gegen psychotische Krankheitsbilder und neurotische Entwicklungen sehr schwierig sein kann.

Folgende Parameter können bei entsprechender differenzialdiagnostischer Fragestellung eine hilfreiche Unterstützung sein:

  • die Beurteilung der Blut-Liquor-Schrankenfunktion,
  • das Vorliegen einer Pleozytose, die Interpretation des Reiberschemas im Hinblick auf eine unspezifische intrathekale Immunglobulinsynthese,
  • die Bestimmung der Antikörperindizes von Infektionserregern sowie
  • die Beurteilung der oligoklonalen Banden.


Eine Beurteilung des Liquors ist dabei nur im Vergleich zu einem zeitgleich abgenommenen Serum möglich. In einer sehr frühen Phase der Infektion ist der Nachweis klinisch relevanter viraler Erreger mittels PCR aus einer separaten Liquorprobe möglich. Die Lumbalpunktion ist eine invasive diagnostische Methode und sollte nur nach strenger Indikationsstellung erfolgen.

 
Indikationen
  • V. a. Erkrankungen des Zentralen Nervensystems
Durchführung
  • durch Facharzt bzw. unter fachärztlicher Kontrolle
Entnahmezeitpunkt
  • diagnostische Erstpunktion sollte zu einem bestimmten Zeitpunkt im Krankheitsverlauf erfolgen
  • Zweit- und Drittpunktionen dienen der Verlaufskontrolle, bestätigen die Erstdiagnose oder erzwingen deren Korrektur
  • Entnahme von Liquor und Serum sollte etwa zur gleichen Zeit erfolgen (steady state)
Probenmenge
  • Erwachsene: 5 – 10 ml Liquor, 5 ml Serum (für eine umfassende Liquordiagnostik (zellulär / humoral))
  • Kinder: 2 – 3 ml

    Hinweis:
  • Für Liquorproteindiagnostik (Reiber-Schema, erregerspezifischer Antikörpernachweis, oligoklonale Banden) immer Serum/Liquor-Paar abnehmen!
  • Bei visuellem Verdacht auf eine Blutkontamination ist zum Ausschluss oder zur Bestätigung einer artifiziellen Blutbeimengung der Liquor in mehreren Portionen (mindestens zwei) zu gewinnen und die Röhrchen der Reihe nach zu beschriften.
  • Bei Verdacht auf bakterielle Meningitis auch Blutkulturen abnehmen! Materialgewinnung möglichst VOR Antibiotikagabe!
Material
  • farblose, sterile Röhrchen aus Polypropylen mit Stopfen

    Liquor-Röhrchen

    Polycarbonat- und Glasröhrchen sind wegen der Adsorption von IgG ungeeignet!

  • für kulturellen Erregernachweis Verimpfung in Blutkulturflasche möglich
Cave
    Bitte teilen Sie uns folgende Angaben immer mit:
  • Patientenangaben (Name, Vorname und Geburtsdatum)
  • Entnahmedatum und –uhrzeit
  • Punktionsstelle (Grund: Proteinkonzentration ist lumbal 2,5-fach höher als im 4. Ventrikel)
  • Erwachsene / Kind (Grund: Filterfunktion der Blut-Hirnschranke ist altersabhängig)
  • klinische Verdachtsdiagnose
Zwischenlagerung
  • Liquor und Serum im Kühlschrank (2 – 8 °C) >> schnellstmöglicher Transport der Proben ins Labor, da die Liquorzytologie nach 2 Std. abgeschlossen und das zytologische Präparat erstellt sein muss (Ansonsten kann es zu falsch negativen Ergebnissen aufgrund der Autolyse der Leukozyten kommen.)
  • Liquor in Blutkulturflaschen >> bei 37 °C vorinkubieren

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