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Diagnose von entzündlichen Darmerkrankungen - Bedeutung des fäkalen Calprotectins

Biochemie

Calprotectin ist ein im Stuhl stabiler Leukozytenmarker, der bei Entzündungsprozessen durch die gewebeständigen neutrophilen Granulozyten und Makrophagen in den Stuhl freigesetzt wird.
Er ist erhöht bei chronischentzündlichen Darmerkrankungen, malignen Tumoren mit entzündlicher Komponente, aber nicht erhöht bei Polypen, gutartigen Darmtumoren und Colon irritabile.

Indikationen

Abgrenzung einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) vom Reizdarmsyndrom als Ursache unspezifischer Beschwerden

Sowohl pädiatrische als auch erwachsene Patienten mit M. Crohn und meist auch Colitis ulcerosa zeigen signifikant höhere Werte für fäkales Calprotectin. Patienten mit Reizdarm bleiben unauffällig. Die Sensitivität beträgt für M. Crohn 82 %, die Spezifität 87 %. Durch die Kontrolle nach 14 Tagen oder den gleichzeitigen Einsatz weiterer Marker aus dem Stuhl (Laktoferrin, PMN-Elastase) lassen sie sich auf 95 % steigern (1).
Bei der Erstdiagnostik sind zur Abgrenzung und zur Diagnostik selbstlimitierender infektiöser Kolitiden Stuhlkulturen hilfreich.
Calprotectin wird in den S3-Leitlinien "Reizdarmsyndrom" und "Diagnostik und Therapie des M. Crohn" als Laboruntersuchung empfohlen (2).

Verlaufskontrolle von M. Crohn und Colitis ulcerosa

Calprotectin korreliert mit der entzündlichen Aktivität von M. Crohn und den meisten Fällen von Colitis ulcerosa. Rezidive lassen sich mit fäkalem Calprotectin entdecken und korrelieren in ihrer Höhe mit den endoskopischen Befunden, der Histologie und dem "Goldstandard", dem aufwändigen und teuren Indium-Granulozytentest.
Eine Unterscheidung von M. Crohn und Colitis ulcerosa auf Grund der Calprotectinwerte ist nicht möglich.
Laborparameter wie BSG und CRP und Leukocyten korrelieren mit dem Calprotectin bei M. Crohn, nicht aber bei Colitis ulcerosa. Wegen der Unspezifität eignen sie sich nur bedingt für die Differenzialdiagnostik zwischen M. Crohn und Colitis ulcerosa.
In einer Studie bei Kindern (3) konnte durch den Einsatz nicht-invasiver Tests eine Spezifität von 99,47 % (fäkales Calprotectin 88,9 %, ASCA/pANCA 88.9 %, Bowel Wall Ultrasonography Measurement 77,8 %) erreicht werden. Damit besteht die Möglichkeit, bei Kindern auf invasive Untersuchungen zu verzichten. Das Diagramm leitet den Untersuchungsweg bei Erstdiagnose (4).

CED

Präanalytik

Material: ca. haselnussgroße Stuhlprobe (fest oder flüssig). Bitte verwenden Sie unsere mikrobiologischen Stuhlröhrchen.
Zwischenlagerung: Die Stuhlprobe kann im Kühlschrank zwischengelagert werden.

Abrechnung

Die Bestimmung von Calprotectin ist eine kurative Kassenleistung (GKV und PKV).


Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung, Tel. 03834 8193-0.



Dr. med. Dipl.-Chem. Rainer Rüter 



Literatur:

Langhorst J et al, Am.J.Gastroenterol. 2008; 103: 162-169
Hoffmann JC et al, S 3 Leitlinie „Diagnostik und Therapie des M. Crohn“ Z.Gastroenterol. 2008, 46: 1094-1146
Canani RB et al, J.Pediatr.Gastroenterol.Nutr. 2006; 42: 9-15
Keller KM et al, Monatszeitschrift Kinderheilkunde 2004, 152: 122-132 

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